Schönheitsreparaturen: Unwirksame Quotenabgeltungsklausel

Eine formularmäßige Klausel in einem Wohnraummietvertrag, die den Mieter verpflichtet, sich anteilig an den Kosten zum Zeitpunkt der Beendigung des Mietverhältnisses noch nicht fälliger Schönheitsreparaturen zu beteiligen (Quotenabgeltungsklausel), und zur Berechnung der Abgeltungsbeträge folgende Regelung vorsieht:

„Berechnungsgrundlage ist der Kostenvoranschlag eines vom Vermieter auszuwählenden Malerfachgeschäfts“

ist gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB unwirksam.

Dies hat der u.a. für das Wohnraummietrecht zuständige VIII. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs in einer Entscheidung vom 29.05.2013 – Az.: VIII ZR 285/12 – festgestellt.

Der BGH führt dazu begründend aus:

Der Zweck einer Quotenabgeltungsklausel besteht darin, dem Vermie-ter, der von dem ausziehenden Mieter mangels Fälligkeit der Schönheitsrepara-turen nach dem Fristenplan keine Endrenovierung verlangen kann, wenigstens einen prozentualen Anteil an Renovierungskosten für den Abnutzungszeitraum seit den letzten Schönheitsreparaturen während der Mietzeit zu sichern. Eine solche Klausel benachteiligt den Mieter grundsätzlich nicht unangemessen, weil die Abwälzung turnusmäßiger Schönheitsreparaturen – deren Kosten der Mieter zu tragen hätte, wenn das Mietverhältnis bis zum Eintritt der Fälligkeit der Schönheitsreparaturverpflichtung fortbestanden hätte – rechtlich und wirtschaftlich einen Teil der Gegenleistung des Mieters für die Gebrauchsüberlassung der Räume darstellt […].

Bei der inhaltlichen Gestaltung einer Quotenabgeltungsklausel ist jedoch auf die berechtigten Belange des Mieters angemessen Rücksicht zu nehmen. Diesen Anforderungen wird die von der Klägerin verwendete Klausel nicht in jeder Hinsicht gerecht.

Nach der Abgeltungsklausel der Klägerin ist Berechnungsgrundlage für die vom Beklagten zu zahlenden Beträge „ein Kostenvoranschlag eines vom Vermieter auszuwählenden Malerfachgeschäfts“. Diese Bestimmung ist mehrdeutig. Sie kann – wie dies der Senat in früheren Entscheidungen angenommen hat – zum einen dahingehend ausgelegt werden, dass sich der Mieter nur an notwendigen Renovierungskosten zu beteiligen hat und der Kostenvoranschlag dazu nur als (unverbindliche) Berechnungsgrundlage dient, deren Richtigkeit und Angemessenheit der Mieter bestreiten kann (Senatsbeschluss vom 6. Juli 1988 – VIII ARZ 1/88, aaO S. 82; Senatsurteil vom 6. Oktober 2004 – VIII ZR 215/03, WuM 2004, 663 unter II 1). Wie das Berufungsgericht rechtsfehlerfrei ausgeführt hat, lässt die genannte Klausel zum anderen aber auch die Deutung zu, dass dem Kostenvoranschlag des vom Vermieter ausgewählten Malerfachgeschäfts bindende Wirkung für die Bemessung der Abgeltungsquoten zukommt, also dem Mieter die Möglichkeit abgeschnitten ist, Einwendungen gegen dessen Richtigkeit und Angemessenheit zu erheben oder gar auf eine Berechnung nach Maßgabe eines von ihm eingeholten günstigeren Kostenvoranschlags zu dringen.

[…]

Dass der Kostenanschlag nur dann verbindlich sein soll, wenn er der Billigkeit entspricht, ist der Abgeltungsklausel ebenfalls nicht (jedenfalls nicht mit der erforderlichen Deutlichkeit) zu entnehmen.

Bei der Prüfung der Wirksamkeit der Abgeltungsklausel in § 4 Abs. 5 c des Mietvertrags ist diejenige Auslegung zugrunde zu legen, nach der dem Vermieter einzuholenden Kostenvoranschlag verbindliche Wirkung zukommt und es dem Mieter verwehrt ist, hiergegen Einwendungen zu erheben. Denn nach neuerer Rechtsprechung ist für die Inhaltskontrolle einer mehrdeutigen Allgemeinen Geschäftsbedingung […] von mehreren möglichen Deutungen die kundenfeindlichste Auslegung, also diejenige maßgebend, die zur Unwirksamkeit der Klausel führt (BGH, Urteil vom 29. April 2008 – KZR 2/07, BGHZ 176, 244 Rn. 19 mwN; Senatsurteil vom 23. September 2009 – VIII ZR 344/08, NJW 2009, 3716 Rn. 8).

[…]

§ 4 Abs. 5 c Satz 3 des Mietvertrags beschneidet in seiner kundenfeindlichsten Auslegung den Beklagten unangemessen in dessen Rechten. Denn der eingeholte Kostenvoranschlag ist bei dieser Auslegung auch dann für die Bemessung der vom Beklagten zu zahlenden Abgeltungsbeträge verbindlich, wenn der von der Klägerin ausgewählte Fachbetrieb einen unzutreffend hohen Renovierungsaufwand zugrunde gelegt oder überhöhte Preise angesetzt hat. Dies führt zur Unwirksamkeit der Klausel gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB.

Praxishinweis:

Nach dieser neuerlichen BGH-Entscheidung, die jeder Mietrechtspraktiker kennen sollte, dürften zahlreiche Mietverträge keine wirksame Verpflichtung des Mieters zur Vornahme von Schönheitsreparaturen enthalten. Denn die Unwirksamkeit der obigen Klausel führt dazu, dass das gesamte Regelwerk des Mietvertrages zu Schönheitsreparaturen unwirksam ist und stattdessen das gesetzliche Leitbild gilt, wonach nicht der Mieter, sondern der Vermieter renovieren muss. Dies gilt übrigens dann auch schon während der Mietzeit: Ist die Wohnung renovierungsbedürftig, darf der Mieter den Vermieter auffordern, den Maler zu bestellen.

Lebenslanger Mietvertrag verstößt nicht gegen § 575 BGB

Einem auf Lebenszeit des Mieters geschlossenen Mietvertrag kann der Vermieter nicht entgegen halten, dass dieser gegen § 575 BGB verstößt, weil kein vom Gesetz vorgeschriebener Befristungsgrund genannt wird. Dies hat nun das Landgericht Freiburg (Urteil vom 21.03.2013 – 3 S 368/12) entschieden. Denn § 575 BGB bezwecke den Schutz des Mieters vor einem Wohnungsverlust und sei deshalb auf Mietverhältnisse, die auf Lebenszeit des Mieters geschlossen würden, nicht anwendbar. Zudem sei ein Berufen des Vermieters auf diese Vorschrift treuwidrig.

Das Gericht führt dazu aus:

Die Beschränkung auf bestimmte Befristungsgründe in § 575 Abs. 1 Satz 1 BGB dient dem Schutz des Mieters und nicht demjenigen des Vermieters. Insbesondere soll hierdurch ein Missbrauch zur Umgehung der dem Mieterschutz dienenden Kündigungsvorschriften durch Abschluss von Zeitmietverträgen ausgeschlossen werden (BT-Dr 14/4553 = NZM 2000, 415 ff [450]). Die Neuregelung sollte damit lediglich verhindern, dass das Wohnraummietverhältnis allein durch Zeitablauf endet, ohne dass der Mieter Kündigungsschutz genießt; der Mieter sollte somit vor dem Verlust der Wohnung, nicht aber vor einer längeren Bindung an den Vertrag geschützt werden (BGH, Urteil vom 13.10.2010 – VIII ZR 98/10 – unter II 3).

Vor diesem Hintergrund dürfe sich jedenfalls der Vermieter nicht auf einen Verstoß gegen § 575 BGB berufen, da diese Norm nicht ihn, sondern nur den Mieter schützen solle.

Besichtigungsrecht: Unzumutbare Personen müssen draußen bleiben!

Der Vermieter darf die Mietwohnung nicht durch Personen besichtigen lassen, die für den Mieter unzumutbar sind. Dies hat nun das LG Frankfurt in einem Urteil vom 21.02.2013 entschieden (Az.: 2/11 S 191/12).

Hintergrund des Rechtsstreits war die Beauftragung des geschiedenen Ehemanns der Mieterin durch den Vermieter für diesen die Wohnung zu besichtigen. Diese verweigerte ihrem Ex den Zutritt zur Wohnung. Mit Recht, wie nun die Kammer feststellte:

Nach allgemeiner Rechtsauffassung kann der Vermieter keine Besichtigung einer Mietwohnung durch solche Personen durchführen lassen, die für den Mieter auch unter angemessener Berücksichtigung der Interessen des Vermieters unzumutbar sind (vgl. AG Hamburg, WuM 1987, 379; Staudinger, BGB, Neubearbeitung 2011, § 535 Rn. 99; Schmidt-Futterer, Mietrecht, 10. Auflage, § 535 Rn. 184). Dies ist im Hinblick auf die Person des Klägers für die Beklagte anzunehmen. Bei dem Kläger handelt es sich unstreitig um den geschiedenen Ehemann der Beklagten. Ebenso unstreitig hat der Kläger alleine seit dem Jahr 2005 etwa zehn Rechtsstreite gegen die Beklagte geführt. Zudem hat er Rechtsstreite gegen den gemeinsamen Sohn, den Zeugen … geführt. Nach dem eigenen Vortrag des Klägers treten zwischen den Parteien überdies bei „jeder Möglichkeit“ Konflikte auf. Unter diesen Umständen ist es der Beklagten nicht zuzumuten, gerade der Person des Klägers Zutritt zu ihrem durch Art. 13 Abs. 1 GG geschützten Wohnbereich zu gewähren.

Nachdem auch nicht dargetan war, weshalb ausgerechnet der geschiedene Ex-Mann der Mieterin die Wohnung besichtigen sollte, wies das Gericht die auf Gewährung des Zutritts zum Zwecke der Besichtigung der Wohnung gerichtete Klage ab.

Fazit:

Steht dem Vermieter ein Besichtigungsrecht der Wohnung zu, darf er dieses grundsätzlich auch durch einen bevollmächtigten Vertreter ausüben lassen. Dies bietet sich etwa an, wenn der Vermieter in einer anderen, weit entfernten Stadt lebt und z.B. eine Mängelrüge durch die Mieterin überprüfen (lassen) möchte. Der Beauftragung eines Dritten sind jedoch Grenzen gesetzt, wie die Entscheidung des LG Frankfurt schön zeigt. Es kommt, wie so oft, immer auf den Einzelfall an.